ESMOD meets 36boys II

Die 36Boys haben sich die Studenten der Modeschule Esmod als Designer für ihre neue Kollektion zur Hilfe genommen. BerlinFashion.Tv schaute sich das erste Zusammentreffen an.

ESMOD meets 36 Boys
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ESMOD meets 36boys

Die Studierenden der ESMOD Internationale Modeschule Deutschland Berlin wurden als Designer für die neue Kollektion der 36Boys herangezogen.

ESMOD meets 36 Boys
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36Boys Backstage

Geschichte der Gang

Kreuzberg der frühen 80er Jahre.
Inspiriert von der Begeisterung für die Hip Hop Welle aus Amerika finden sich in den Berliner Hinterhöfen Kinder und Jugendliche zusammen. Aus den ersten Nachahmungsversuchen entsteht schnell ein eigener Stil, geprägt vom Slang, der Gefühlswelt und den Sehnsüchten der Berliner Migrantenkinder.

Was am Anfang noch kindlicher Wettbewerb war, schlug relativ schnell in Revierkämpfe um. Die ursprünglich losen Zusammenschlüsse mussten sich Auseinandersetzungen mit Neonazis und Skinheads stellen, die oft von Gewalt begleitet waren. Erste Organisationsstrukturen entstanden Mitte der 80er Jahre in den Gangs, in denen immer mehr Jugendliche Zuflucht suchten, um Gegnern nicht schutzlos ausgeliefert und um eine Zugehörigkeit zu finden, in der sie ihre familiäre Geborgenheit wieder fanden.

Zu einer 1987 gegründeten Streetgang fühlten sich besonders viele Jugendliche in Kreuzberg hingezogen. Es war die Gruppe, deren Ruf als eine der Ersten weit über die Grenzen Berlins hinaus reichte, weil sie sich zur größten und einflussreichsten entwickelte - die 36Boys.

Sie bedienten wie keine andere Gang das Schutzbedürfnis der Jugendlichen und festigten ihre Strukturen mit harten Aufnahmeprüfungen, denen nicht alle gewachsen waren. Sie galten als schnell, gefährlich und gewaltbereit. Und doch waren in der Gang in den zehn Jahren ihres Bestehens zeitweise bis zu 300 Mitglieder und sogar noch mehr aktiv. Während die einen in Revierkämpfen mit rivalisierenden Gangs die unterschiedlichen Crews wie die „36Ers“, „Getto Sisters“ (36Girls), „36Juniors“ um das Cottbusser Tor und die Wohngebiete zwischen der Naunynstraße, der Waldemarstraße und dem Görlitzer Bahnhof schützten, verbrachten die anderen ihre Zeit als Writer (Graffiti) und Tänzer crews (Breakdancer). Die ersten Hip Hop Aktivisten entwickelten sich aus dieser Gang heraus und prägten massiv die Hip Hop Landschaft in Deutschland. Noch heute werden die weltweiten Beatbox Meisterschaften durchgeführt, bei denen immer wieder der hohe Stellenwert der 36Boys-Rapper ins Auge fällt.

Neben den meist türkischstämmigen identifizierten sich auch Jugendliche anderer Nationalitäten mit der Gang. Die 36Boys benannten sich nach ihrem Heimatstadtteil Kreuzberg, dem alten Postzustellbezirk Südost 36. Medien berichten gern von den 36Boys als dem Prototyp einer „Gang“ mit Migrationshintergrund.

Die Kinder und Jugendlichen von damals erzählen noch heute voller Stolz, wenn es um den Zusammenhalt in der Gang geht.

Der Grund dafür ist einfach: Das Bedürfnis nach Schutz für den Einzelnen in einer eigenen Gruppe war sehr groß. Das Mobbing in den Schulen wiederholte sich auch in der Freizeit im Kiez. Und vieles war ohne den Rückhalt aus der Gruppe heraus erst recht nicht möglich. Daraus entstand ein Mythos, den die Kinder von damals genauso wie die Eltern von heute, pflegen. Zu keiner Zeit waren die Aktivitäten der Gang auf Drogenhandel oder ähnliche kriminelle Geschäfte ausgerichtet.

Während der Mai-Krawalle in Kreuzberg schlossen sich die 36Boys den Autonomen an. Diese Allianz hielt jedoch wegen der fehlenden politischen Ausrichtung der Gruppe nicht lange an.

Die Graffitis der 36Boys verteilten sich jedoch bald auf ganz Berlin. In Kreuzberg dienten sie teilweise auch zur Markierung des Reviers.

Mit der Auflösung der Gang beschritten ihre ehemaligen Mitglieder unterschiedliche Lebenswege. Leider konnten sich nicht alle aus dem kriminellen Milieu herauslösen. Einen Teil stellte der Senat 2007 als „Kiezläufer“ in den sozialen Brennpunkten – den so genannten No-go-Areas - um die Naunynstraße herum ein, um mit ihrer Hilfe präventiv die Jugendkriminalität zu verringern. Manche wurden als Sozialarbeiter in Kiezprojekten und Jugendzentren aktiv.

Einigen gelang der Sprung ins bürgerliche Leben mit Karrieren als Starkoch, Manager, Profisportler, Boutiquebesitzer, Regisseur, Filmautor oder Schauspieler.

Der Name der 36Boys wird 2005 patentiert. Das ist das erste und weltweit bisher das einzige Label, das sich auf die Geschichte einer Straßengang beruft.

2009 zeichnete die Street University Berlin-Kreuzberg Ehemalige der 36Boys für ihr soziales Engagement aus.